Mac, iPad & iPhone für Selbstständige und Unternehmen

Verlauf Apple-Aktie gegenüber HP und Samsung seit 2011. Stand: Januar 2016 Quelle: finance.yahoo.com

Meinung: Das next big thing von Apple 2016 und Samsungs Wurstblinker

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Kommentar zum Apple-Aktienkurs 2016 aus Sicht eines Apple-Experten

Das Jahr 2016 beginnt für Apple-Freunde mit einer vermeintlich schlechten Nachricht: „Apple-Aktie schmiert ab“! So meldet es Die Welt und übt sich in Erklärversuchen, warum Apple gegenüber Google, Facebook und Amazon weniger Vertrauen genießt.

Ob man von „abschmieren“ sprechen kann, wenn eine Aktie, die seit 15 Jahren mehr oder weniger stetig an Wert zugelegt hat, nun ein Jahr das (hohe) Niveau nur gehalten hat, mag dahingestellt sein. Und auch die Frage, warum die Börse Hardware-Hersteller Apple kritischer beäugt als Software-Konzerne, wäre schnell beantwortet: Den Erlösen aus den Produkten eines Hardware-Herstellers steht stets Materialeinkauf und Produktionsaufwand entgegen. Diese Faktoren sind ihrerseits wiederum preislichen und politischen Schwankungen unterworfen – sprich: Ein Hardwarehersteller hat höhere Risiken einzukalkulieren. Und Risiken mögen Börsianer schon mal grundsätzlich nicht. Deshalb strafen sie die Apple-Aktie sofort bei einer angeblichen Produktionskürzung ab. Da kann Apple noch so oft betonen, dass sie mehr als einen Lieferanten haben und einzelne Produktionsrückgänge keine Aussagekraft über den Gesamtabsatz haben.

Doch trotz des vielversprechenden Titels „Warum die Zweifel an Apple so groß sind“ erhält der interessierte Leser keine tieferen Einblicke in das Wertesystem der Börsianer, sondern lediglich das – altbekannte und bei Börsianern gerne wiedergekäuerte – Fazit, Apple sei zu sehr vom iPhone abhängig. Als langjähriger Beobachter und selbst ernannter Apple-Experte könnte der Autor dieser Zeilen milde lächelnd über derartige Berichterstattung hinwegsehen. Aber: Es nervt!

Apfel mit Birnen vergleichen

Da sind zum einen diese immer wiederkehrenden Vergleiche von Apple mit Firmen völlig unterschiedlicher Natur und mit gravierend abweichenden Geschäftsmodellen. Sind denn Börsianer oder Wirtschaftsjournalisten heutzutage wirklich nicht in der Lage, Branchen feingradiger zu unterscheiden als in die Kategorien „mit Strom“ und „ohne Strom“?

Jedenfalls zeichnet der ständige Vergleich des Hardware-Herstellers Apple mit den Internet-Riesen Google, Facebook und Amazon ein völlig falsches Bild des Konzerns aus Cupertino. Und das macht schon den Plausch mit Arbeitskollegen oder Eltern auf KiTa-Weihnachtsfeiern zu einer fahrigen Angelegenheit, die dann ebenfalls Apple in einem Topf mit den „Datenkraken“ sehen.

Doch dort gehört Apple nun mal nicht hin, denn der Mac-Hersteller aus Kalifornien nutzt zwar den Vertriebs- und Marketingkanal Internet und hat sicher – wie McDonalds, Siemens oder Nestlé auch – einen großen Datensatz seiner Kunden.

Apple verdient aber gerade nicht mit Internetprodukten oder Datensammlungen sein Geld.

So gesehen hat Apple mehr Gemeinsamkeiten mit adidas oder Coca-Cola als mit Google. Gerade besagter Suchmaschinen-Konzern wiederum hat mit seinem Motorola-Desaster bewiesen, dass er nicht in der Lage ist, wertige Hardware konkurrenzfähig herzustellen. Auch Amazon hat mit seinem Kindle lediglich ein Transportmittel für sein Buchgeschäft, also sein ursprüngliches Kerngeschäft im Programm. Und erinnert sich überhaupt noch jemand an das erbärmliche facebook-Handy?

Folgerichtig sind die Internetkonzerne, bis auf den Händler Amazon klassische Software-Firmen, kein geeignetes Vergleichsfeld für Apple. Entsprechend taucht Apple bei einschlägigen Untersuchungen über das Internetgeschäft gar nicht auf, wie zuletzt bei der Süddeutschen Zeitung hier zu lesen.

Vertrauen in die Zukunft Apples?

Zum anderen jedoch überrascht auch immer wieder die widersprüchliche Beurteilung der Zukunftsfähigkeit Apples, besonders im Vergleich mit den Internetkonzernen, den aufmerksamen Leser.

Einmal wird gerne, wie schon in den 1990er Jahren während der OS Wars Windows vs. Mac, auf Marktanteile geschaut und darauf herumgerechnet. Da ist dann pauschal „mehr“ besser. Doch wo Microsoft damals noch an den Windows-Lizenzen Geld verdiente, streut heute Google sein Android-System (teilweise recht lieblos möchte man meinen) kostenfrei unters Volk.

Andererseits werden die Apple Rekordumsätze negativ ausgelegt, weil die Mac-Firma zu sehr abhängig von iPhone sei. Die Gratis-Kultur bei Android zahlt sich aber gerade für dessen Hardware-Hersteller nicht aus; Samsung als Primus unter den Android-Lizenznehmern warnt trotz steigender Absatzzahlen vor Gewinneinbrüchen. Andere Hersteller nehmen sehenden Auges mit jedem Telefonverkauf Verluste in Kauf, nur um überhaupt am Markt präsent zu sein.

Wie lautet denn eigentlich Googles Plan B, wenn die Android-Handy-Hersteller das System aufgeben? Allein Samsung versucht sich ja schon stetig an einem eigenen System (Bada / Tizen) und liebäugelt auch immer wieder mal mit Windows. Oder was, wenn die Gesetzgebung endlich mal den Sprung ins Hier und Jetzt schafft, Suchmaschinen unter behördliche Aufsicht stellt oder vernünftig den Datenschutz regelt?

Was macht Facebook eigentlich, wenn die Politik endlich versteht, wie es funktioniert?

Diese Risiken blenden Börsianer offenbar erfolgreich aus, wenn es um die Einschätzung der Zukunftsfähigkeit geht – doch die erscheinen mir persönlich jedenfalls wesentlich existenzbedrohender für die betroffenen Unternehmen als der aktuelle Silikonpreis.

Verlauf Apple-Aktie gegenüber HP und Samsung seit 2011. Stand: Januar 2016 Quelle: finance.yahoo.com

Verlauf Apple-Aktie gegenüber HP und Samsung seit 2011. Stand: Januar 2016 Quelle: finance.yahoo.com

Qualität als Erfolgsfaktor

Apple in seiner Nische aber greift die überwiegenden Gewinne (nicht nur) des Smartphone-Marktes ab. Damit beweisen die Jungs und Mädels aus Cupertino, dass es eben nicht allein auf den Produkt-Preis ankommt. Offenbar gibt es genug Käufer, die ein qualitativ hochwertiges Produkt von einem billig zusammengeschusterten Abklatsch unterscheiden können. Es wären sicher noch mehr, wenn das Bewusstsein bei den weniger IT-affinen Menschen größer wäre, dass sie mit der Benutzung von Android-Handys durch die dabei unumgängliche, kompromisslose Offenlegung ihrer privaten Daten die Datenkrake füttern. Aber immerhin scheint die Zahl der Android-Switcher hin zum iPhone schon allein aufgrund des besseren Nutzererlebnisses anzusteigen.

So läuft denn nun die ganze Betrachtung auf zwei wesentliche Punkte hinaus: Produktqualität und Innovationskraft.

Doch: Produktqualität hat (berechtigter oder trauriger Weise?) an der Börse kaum bis gar keine Bedeutung und Innovationskraft ist schlecht messbar bzw. vorhersehbar.

Doch gerade bei diesen beiden Faktoren kann Apple punkten und es sind eben diese beiden Eigenschaften, die den iPhone-Hersteller überhaupt ausmachen. Und sind wir mal ehrlich: Der Rest der Industrie weiß das:

  • Microsoft baut sich selbst gerade komplett zu einem Apple-Klon um und steigt langsam aber stetig in das Hardwaregeschäft ein. Microsoft-Chef Nadella will ebenfalls mit eigenen Smartphones, Tablets und Notebooks ins Premium-Segment, schafft dafür die OS-Voraussetzungen und baut Ladengeschäfte nach Apple-Vorbild.
  • Google hätte ohne das iOS-Vorbild nur ein erbärmliches Android mit Listenansichten anstatt Touch-Icons, das ohne Apps oder Stores immer noch hinter Blackberry & Co. zurückhinken würde.
  • Samsung hätte gar keine Idee, wie Smartphones für das beigelegte Android-OS aussehen könnten und hätte sich vermutlich auch niemals getraut, mehr als 79 EUR für ein Handy zu verlangen.

Erfahrung als innovativer Vorreiter

Wer Apples Innovationskraft in Frage stellt, müsste grundsätzlich der gesamten Elektronik-Industrie eine düstere Zukunft prognostizieren. Wenn man sich ansieht, welche „Innovationen“ sonst so herausgebracht (z.B. Samsung Edge, Google Glass) werden, wird man zeitweise regelrecht an das Auto-Design von Homer Simpson oder das ominöse Southpark-Fahrrad erinnert.

De Facto gibt Apple der IT-Industrie immer wieder die Marschrichtung vor. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch Apple hat nicht die Weisheit gepachtet und setzt nicht selten auf vorhandene oder kommende Technologien Dritter.

Worauf es aber bei einem – Achtung – qualitativ hochwertigen Produkt als Innovationsbringer ankommt, ist nicht eine Neuerung per se. Sondern vielmehr wie es als Gesamtkonzept sinnvoll, effizient und angenehm im Alltag funktioniert und welchen Mehrwert es für den Nutzer bringt. In dieser Hinsicht hat Apple einen gewaltigen Erfahrungsvorsprung gegenüber den jüngeren Internetkonzernen und steht gegenüber Google nicht schlechter, im Vergleich zu Facebook oder Amazon sogar wesentlich besser da.

Wo Google zumindest bei seiner Suchmaschine mit Fug und Recht behaupten kann, ein hervorragendes Produkt zu haben, ist mir bei Facebook völlig schleierhaft, wie ein in den Bereichen Bedienerfreundlichkeit und Support derart mieses Produkt überhaupt Erfolg haben kann.

Apple dagegen entwickelt auch einzelne Produkte stets aufwendig und mit Blick auf das große Ganze, was symbiotische, ausgereifte Lösungen hervorbringt wie etwa die drahtlose Backup-Achse Airport–Time Capsule–Time Machine oder eben das berühmte Duett von iPod und iTunes.

Steve Jobs

Bei jeder Diskussion um die Innovationskraft von Apple fällt stets auch wieder der Name Steve Jobs. Die Fragestellung, ob Apple auch ohne ihn innovativ sein kann, beschäftigt Aktien-Beobachter seit seinem Tod im Jahre 2011.

Spätestens dann wird die Verwirrung greifbar. Zu Lebzeiten haftete dem verstorbenen Apple CEO immer das Etikett des geheimniskrämerischen, unberechenbaren Diktators an, unter dem der Aktienkurs stets unterbewertet blieb. Weil die Börse mit ihm persönlich nichts anzufangen wusste und er seine Haltung, der Aktienkurs sei Produktqualität unterzuordnen, offen kommunizierte.

Heute ist der Aktienkurs grob doppelt so hoch wie zu Steve Jobs’ letztem Jahr bei Apple, aber jetzt macht man sich wegen seiner Abwesenheit Sorgen um Innovationskraft. Is’ klar, ne?

Das „next big thing“

Vielleicht ist es dem einen oder anderen ja aufgefallen: Apple hat möglicherweise das next big thing schon angepackt. Denn mit dem konsequent vorangetriebenen Einsatz sauberer Energie und der manifestierten Chancengleichheit im Job für Minderheiten revolutioniert Apple gerade Firmenkultur. Nicht börsenrelevant aber trotzdem der Konkurrenz voraus. Gut, oder?

Als (minimal-) Apple-Aktionär beruhigt es mich ungemein, Anteile an diesem Unternehmen zu besitzen. Ich lasse mich nicht mehr durch reißerische Berichterstattung aufscheuchen, die von Menschen verfasst wurde, die Apple schlicht nicht verstanden haben.

Gemäß der alten Börsenweisheit „Kaufen, weglegen und nicht weiter draufschauen“ lehne ich mich entspannt zurück und stelle mir vor, dass mancher Börsianer vielleicht lieber abgerundete Display-Ränder an einem Samsung-Telefon streichelt, die mehr mit Homer Simpson’s Wurstblinker gemein haben als mit Innovation. Und das Die Welt lediglich mal wieder einen Artikel mit Apple im Titel brauchte…

Gute Geschäfte,

Ihr Rob Sari

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