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Editorial: Apple Quartalszahlen – Warum der Mac stagniert

Nach Bekanntgabe der durchwachsenen Quartalszahlen für das Juni-Quartal am 23.07.2013 wurde auch eine vorhersehbare Entwicklung im Mac-Segment bestätigt. Es wurden weniger Macs verkauft – statt 4 Millionen im letzten Jahr zur gleichen Zeit verkaufte Apple nur 3,8 Millionen. (Quelle: Apple)

Wer sich an die Konferenz zum letzten Dezember-Quartal erinnert, wundert sich; da wurde der damalige Einbruch in den Verkaufszahlen auf die geringe Verfügbarkeit des zu der Zeit neuen iMac-Modells zurück geführt. Der ist ja nun überall lieferbar; die Macbook Pro-Palette ist auch halbwegs aktuell, das Macbook Air sogar runderneuert und dank der WWDC 2013 wohl auch gut gestartet. Da der Mac Pro ja bekanntermaßen eher für geringe Stückzahlen verantwortlich ist – was letztes Jahr schon für das Gerücht gesorgt hatte – er würde möglicherweise ganz aus dem Programm verschwinden, taugt dieser auch nicht wirklich als Ausrede.

Es hat den Anschein, als würde Apple ein wichtiges Preis-Segment vernachlässigen, das traditionell wichtig für Apple ist, weil es die Schmerzgrenze vieler darstellt, die zwar gerne auf die hervorragende OS X-Plattform wechseln wollen, aber scharf kalkulieren müssen. Die Rede ist von der 1.000 EUR-Marke, die Apple in der Vergangenheit immer mit einem vollwertigen Rechner besetzt hatte, bis Macbook Air und Mac Mini hier quasi aushelfen mussten. Mit vollwertigem Rechner ist nach Apple-Maßstäben ein All-In-One System mit Tastatur, Maus, vernünftigem Monitor, Lautsprechern, Kamera und Mikro gemeint. Der iMac mit 20″ bzw. 21,5″ hat hier früher große Erfolge gefeiert, ebenso das weiße Macbook.

Der Mac Mini, der bei kurzer Überlegung zuerst ins Gedächtnis rückt, kommt leider ohne diese Voraussetzungen daher und rückt preislich in vernünftiger Ausstattung der 1.000 EUR-Marke auch so immer näher. Neukäufer, die BYOKAM nicht leisten wollen (bring your own keyboard and mouse), sind schnell mehr los als ein vergleichbarer iMac kosten würde. Er stellt also in diesem Sinne keinen vollwertigen Rechner nach Apple-Maßstab im 1.000 EUR-Segment dar.

Sein großer Bruder iMac bringt zwar die richtigen Ausstattungsmerkmale mit. Allerdings hat Apple hier in den letzten drei Jahren das Einstiegsmodell preislich immer weiter von der 1.000 EUR-Marke entfernt. Dazu kommt, dass die 21,5″ Modelle in der Standard-Ausführung mit einer 5400-RPM Festplatte auskommen müssen, was zu extremen und dazu unnötigen Leistungseinbußen führt. Dies mag als Marketing-Gag durchgehen, um das Fusiondrive zu pushen, welches allerdings wiederum einen hohen Aufpreis mit sich bringt. Da die traditionelle Festplatten-Technologie seit Jahren leistungsmässig stagniert, ist die Aufpreispolitik hier fehl am Platz und einem innovativen Unternehmen auch unwürdig. Im Ergebnis ist also ein vernünftig einsetzbarer, zeitgemäßer All-In-One Desktop-Rechner von Apple nicht unter knapp 1600 EUR zu haben.

Auch im Mobilsegment sieht es nicht viel besser aus. Hier gibt es zwar mit dem kleinen Macbook Air einen Kandidaten für 999 EUR. Die Macbook Air Reihe geht auch noch als All-In-One durch. Allerdings sind hier die stromsparenden CPUs den etwas stromhungrigeren Standard-Varianten unterlegen. Dazu kommt, dass vielen Anwendern der 11,6″ Bildschirm des kleinen Modells nicht ausreicht; das Gerät wird daher eher als zweit- oder dritt-Gerät angeschafft. Auch hier zeigt sich schnell, dass auch die tragbaren Rechner die 1.000 EUR-Marke nach oben beschriebenen Anforderungen unbesetzt lassen, wo früher das weiße Macbook für reißenden Absatz gesorgt hatte.

Auch wenn iOS langsam Traktion im Business-Bereich bekommt, ist der tradtionelle Personal Computer wie Apple ihn erschaffen hat nicht so schnell zu ersetzen. Und auch im für Apple wichtigen Bildungs-Sektor stellt die 1.000 EUR-Marke eine wichtige Schwelle dar, die Institutionen Anschaffungen für viele Arbeitsplätze ermöglicht.

Bei Apple wäre man sicher nicht schlecht beraten, wenn man im 1.000 EUR-Segment wieder zu alten Tugenden zurückkehrte und dort vollwertige Alternativen im Desktop- und Mobilbereich anbieten würde.

[Anmerkung: Dieser Artikel ist ursprünglich am 25.07.2013 veröffentlicht und hier wieder hergestellt worden]

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